摘要
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Der vorliegende Forschungsbeitrag widmet sich den Bezügen zwischen den Werken des französischen Schriftstellers Michel Houellebecq und Werken deutscher Denker. In seinen Essays und Romanen kommt der Autor der Gegenwart immer wieder auf deutsche Denker zu sprechen, so dass hier der Frage nachgegangen wird, inwieweit inhaltliche Bezüge bestehen. Schwerpunkt bilden die Werkbezüge zu den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer und Oswald Spengler, aber Literaten wie der Frühromantiker Novalis und Philosophen wie Nietzsche finden ebenfalls Berücksichtigung. Darüber hinaus werden indirekte thematische Parallelen zu Marcel Reich-Ranicki und Joseph Ratzinger aufgezeigt.
Der in unseren Tagen oft thematisierte Untergang des Abendlandes stellt eine offensichtliche Gemeinsamkeit zwischen Houellebecq und Spengler dar. Houellebecq erscheint manchen Zeitgenossen geradezu als Chronist des von Spengler prophezeiten Untergangs. In Houellebecqs Dankesrede bei der Verleihung des ersten Oswald-Spengler-Preises im Jahre 2018 führt der französische Autor explizit aus, welche Gemeinsamkeit er mit Spengler sieht: diese liege in dessen Schlussfolgerungen, aber nicht dessen Argumentation. Auffällig ist an der Rede, dass im Hintergrund von Houellebecqs Überlegungen stets die Philosophie Schopenhauers steht, die von Spengler kritisch gesehen wird.
An einem Beispiel aus Spenglers Hauptwerk Der Untergang des Abendlandes wird aufgezeigt, wie Houellebecq in seinem Romanwerk die Möglichkeiten des Individuums in der Gegenwart westlicher Kulturen auffasst und darstellt und welche Hintergrundannahmen dabei eine Rolle spielen: das Leiden in und an der (kapitalistischen) Moderne, die Abnahme an Religiosität, ein determinierter Weltlauf, aber auch ein irrationaler Glaube an die Gnade und die Überzeugung von der fundamentalen Bedeutung der Literatur als solcher in der Welt. Die Literatur ist für den Schriftsteller Houellebecq einerseits ein Mittel, die Zeit des kulturellen Verfalls für die Nachwelt genau festzuhalten, andererseits für den Dichter und Denker eine nahezu religiöse Angelegenheit, die Sünden der Menschheit aufzunehmen und dadurch dem Leser Erleichterung zu verschaffen. |